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11.11.2015 - Christine Starmühler ist Vorsitzende des Forum Corporate Publishing in Österreich und für Fachfragen die richtige Ansprechperson. HORIZONT sprach mit ihr über Corporate Publishing, Content Marketing und warum es eigentlich so schwierig ist, diese Begriffe zu fassen. Das Interview erschien bereits im Juni 2015 in der HORIZONT-Printausgabe 25/2015.

‚Die Budgets werden weiter wachsen‘

HORIZONT: Können Sie das Forum Corporate Publishing (FCP) bitte kurz vorstellen?

Christine Starmühler: Das Forum Corporate Publishing in Österreich ist Teil der Interessengemeinschaft der führenden medialen Dienstleister im deutschsprachigen Raum und mit mehr als 100 Mitgliedsunternehmen der größte Verband dieser Medien­disziplin in Europa. Als Branchenverband vertritt das FCP eine Mediensparte, die pro Jahr rund 5,8 Milliarden Euro umsetzt. Die Mitglieder des Verbandes sind Verlage und Agenturen, die für ihre Kunden wegweisende Content-Marketing-Strategien entwerfen und umsetzen und dabei ­wirksame Inhalte für alle Medien­gattungen einschließlich Print, Video, Mobile und Online produzieren.

HORIZONT: Was sind die Ziele des FCP am österreichischen Markt?

Starmühler: Im Vordergrund steht die stärkere Positionierung der FCP-Agenturen und -Verlage in der Öf­fentlichkeit als die Experten für inhaltsgetriebene Unternehmenskommunikation. Es geht uns um höhere Aufmerksamkeit vonseiten der Fachmedien und ein klareres Bild unserer Leistungen in der öffentlichen Wahrnehmung. Jeder weiß, was eine PR-Agentur ist, aber nicht jedem ist klar, was eine Corporate-Publishing-Agentur macht. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen setzt inzwischen auf Inhalte – Tendenz weiter steigend. Der Begriff Content ­Marketing wird allerdings von Kommunikationsagenturen aller Art beansprucht. Es gilt deshalb noch besser herauszuarbeiten, dass die Entwicklung von Content-Strategien und die Erstellung von Content die ureigenste Leistung der CP-Anbieter ist. Die Basis unserer Arbeit ist schon immer, gute Geschichten zu entdecken, sie zielgruppengerecht aufzubereiten und so Mehrwert für die Rezipienten zu schaffen.

HORIZONT: Was steht beim FCP ak­tuell am Plan?

Starmühler: Im Herbst ist die erste Ausgabe des Fachmagazins Inhalt rund ums Thema Content Marketing erschienen. Alle zehn österreichischen FCP-Mitglieder haben sich die Arbeiten am Magazin und den Vertrieb geteilt. Nun arbeiten wir bereits am nächsten Heft, das im Sommer in höherer Auflage – 12.000 Stück – erscheint und 60 Seiten umfassen wird. Außerdem ging am 27. Mai der erste BusinessClub des FCP in Wien über die Bühne. Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass wir die Serie fortsetzen werden. Der nächste BusinessClub ist bereits in Planung und findet im Herbst statt. Das dritte Projekt ist die FCP-Website. Es wird eine Umgestaltung speziell unter dem ­Aspekt und in Richtung Content Marketing geben.

HORIZONT: Was sind die aktuellen Branchentrends?

Starmühler: Das FCP hat für das Jahr 2015 sieben Trends festgemacht: ­Owned Media übernehmen den strategischen Lead von Paid Media; Qua­lität vor Quantität: Gute Inhalte werden entscheidend; Content Marketing wird in Mitarbeiterkommunikation und Internal Branding relevant; ­Content und Control: Keine Relevanz ohne Resonanz; erfolgreicher Video-Einsatz im Content Marketing benötigt Bewegtbildstrategien; Native Advertising meets Content Marketing und Wearables schaffen eine neue Content-Welt.

HORIZONT: Wächst die österreichische Branche noch oder stagniert sie schon?

Starmühler: Wir haben nun zehn Mitglieder und die Tendenz ist steigend. Es sind auch große Verlage mit an Bord. Seit 2014 sind der News Verlag und APA-Picturedesk neue Mitglieder. Diese Verlage würden nicht Mitglied werden, wenn sie nicht die Chancen auf dem Markt für Corporate Publishing und Content Marketing erkennen würden. Die Budgets werden im CP- und CM-Bereich weiter wachsen.

HORIZONT: Wie steht Österreich da? Sind wir vorne dabei oder Nachzügler?

Starmühler: Das Nachzügler-Image ergibt sich höchstens in der quantitativen Perspektive. Deutschland ist nun mal zehnmal so groß wie Österreich, die Unternehmen sind um ein Vielfaches größer, entsprechend auch die Budgets. Das heißt, in Österreich finden weniger CP-Maßnahmen in den Unternehmen statt als in Deutschland. In den Marketingabteilungen kleinerer und mittlerer Unternehmen muss man sich auf einige Kanäle beschränken. Umso anspruchsvoller ist es, auch mit geringerem Budget und geringeren Personalkapazitäten hochwertige Leistungen zu erbringen.

HORIZONT: Und wo steht die Branche in zehn Jahren?

Starmühler: Sowohl Dienstleister als auch Unternehmen glauben an starkes Wachstum. Der Trend des Zusammenwachsens der unterschiedlichen Dienstleistungen wird sich weiter fortsetzen. Es wird einen Wandel weg von einer Channel-zentrierten und hin zu einer Content-zentrierten Sicht geben. Damit wird ein struktureller Wandel in den zuständigen Abteilungen der Unternehmen und Dienstleister einhergehen. Die Ausgaben und Maßnahmen im digitalen Bereich werden weiter wachsen, Print behält aber seine Bedeutung.
[Lana Gricenko]
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