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09.02.2015 - Wovon hängt es ab, ob wir Layouts als altmodisch, modern, technisch oder gar romantisch empfinden? Sicher sind grafische Elemente und Bilder wichtig. Aber erst die passende Schrift verleiht einem Druckwerk Charakter und Identität.

Sie kennen sicher folgende Situation: Sie durchsuchen die auf dem Rechner installierten Schriftarten, mit dem Vorhaben, einem Textdokument ein ansprechendes Aussehen zu verpassen. Trotzdem passt es am Ende „irgendwie“ nicht. Woran liegt’s? Die Schrift ist ein wesentliches Gestaltungselement. Sie muss zum Produkt, zur Zielgruppe und zur gewünschten Aussage passen. Dass das auch richtig „funktioniert“, erfordert ein hohes Maß an Know-how, Gefühl und Erfahrung.

Der Text im Vordergrund
Der Begriff Typografie bezeichnet die Gestaltung von Texten unter funktionellen und gestalterischen Gesichtspunkten. Unzählige Aspekte wie die Wahl der Schrift und des Schriftgrades, Größenverhältnisse oder der Satzspiegel bestimmen, ob eine Typografie gut ist. Ein allgemein gültiges Rezept für die perfekte Gestaltung eines Druckwerks existiert nicht, vielmehr liegt die Arbeit eines fachkundigen Grafikers darin, alle Details passend zu kombinieren. Hinter einer gelungenen typografischen Gestaltung stehen nicht nur ästhetische, sondern auch pragmatische Intentionen: Gut und übersichtlich gestaltete und sorgfältig gegliederte Texte sind bedeutend leichter zu verstehen! Webtypografie ist ein eigenes Kapitel. Die Anforderungen folgen bestimmten – durch das Medium bedingten – Regeln. So werden z. B. fast ausschließlich serifenlose Schriften eingesetzt. Der pragmatische Grund: Sie sind am Monitor einfach leichter zu lesen.

Vom Detail zum Gesamten
Typografie umfasst unzählige Gestaltungsdetails. Typografen entwickeln die „Feinheiten“ des Schriftsatzes, die Schrift selbst und ihre Anwendung. Dazu gehören neben den schon erwähnten Aspekten etwa die Auswahl der Typen und des Schriftschnittes. Auch die Verwendung korrekter Interpunktionszeichen, das Seitenformat, die Zeilen- oder Spaltenbreite und alle anderen mit dem Text zusammenhängenden Elemente gehören zum weiten Feld der Typografie.



Gute Schriften, schlechte Schriften
Welche Typen sind die tollen?

Vorinstallierte Systemschriften, Freewarefonts aus dem Internet oder auch konstenpflichtige Lizenzschriften – das Angebot an Schriften ist riesig. Welche Kriterien sind nun für die Auswahl entscheidend? Sind manche Schrif­ten tatsächlich besser als andere?


→ Laufweite Spätestens beim „Laufen“ einer Schrift trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei qualitativ hochwertigen Schriftarten werden für jeden einzelnen Buchstaben die Abstände genau definiert. Beim sogenannten Kerning werden schwierige Buch­stabenkombinationen wie z. B. „Av“ oder „Ly“ noch zusätzlich ausgeglichen, damit die Schrift harmonisch läuft.
Manchmal greifen Grafiker „händisch“ in die Laufweite ein. Dabei muss man sehr sensibel vorgehen. So kann z. B. eine Schrift nicht beliebig eng „zusammengeschoben“ oder „gestreckt“ werden. Darunter leidet nämlich die Lesbarkeit.


→ Schnitte Alle Schriftschnitte und -stärken – also Variationen wie regular (die Ausgangsschrift, sie eignet sich am besten für Lauftexte), medium (halbfett) oder italic (kursiv) – sollten einzeln gestaltet worden sein. Wird ein Text mit einem Textverarbeitungsprogramm z. B. kursiv gestellt, verändern sich die Proportionen der Schrift und sie kann ihre Ausgewogenheit verlieren. Für Grafiker ist es daher schwer, gute Entwürfe zu gestalten, wenn eine Schrift vorgegeben ist (z. B. als CI-Schrift), die über nur einen Schnitt verfügt.
Gute Schriften-Entwickler passen Abstände, Strichstärken der einzelnen Typen usw. daher für jeden Schnitt eigens an.


→ Antiqua/Grotesk Man unterscheidet zwischen Antiqua-Schriften mit Serifen und serifenlosen Grotesk-Schriften – auch Sans Serif genannt. Durch Serifen – das sind kleine Fortsätze an der Buchstabenunterkante – entsteht eine Art Linie, die das Auge leichter in der Zeile hält und somit die Lesbarkeit verbessert. Serifen-Schriften werden vorzugsweise bei umfangreichen Texten, wie in Büchern oder in textlastigen Tageszeitungen, eingesetzt. Populäre Serifenschriften sind Times New Roman und Garamond, zu den bekanntesten serifenlosen zählen etwa Arial und Helvetica. Grotesk-Schriften werden meist in Headlines oder Magazinen und Broschüren mit viel Weißraum eingesetzt. Sie wirken grundsätzlich moderner als Serifenschriften.


→ Der Zeichensatz Eines der wichtigsten Kriterien für eine qualitativ hochwertige Schrift ist die Vollständigkeit des Zeichensatzes. Wenn auch unser Alphabet nur 26 Buchstaben besitzt, kann eine vollständige Schrift inklusive aller Sonderzeichen und Umlaute schon rund 220 Schriftzeichen enthalten. Bei zunehmender grenzübergreifender Kommunikation sollte eine Schrift „europatauglich“ sein. Die meisten Systemschriften beinhalten zwar westeuropäische Sonderzeichen, nicht jedoch die „Hatscheks“ und Akzente der Ost­sprachen, geschweige denn kyrillische Zeichen.



→ Open/True Typ Die Kommunkation zwischen unterschiedlichen Betriebssystemen sollte spätestens seit der Entwicklung der Open-Type-Schriften kein Problem mehr darstellen. Diese können sowohl auf Windows als auch auf Mac installiert werden. Um sicherzustellen, dass das Layout eines Schriftdokuments beim Empfänger in den gewünschten Schriftarten richtig dargestellt wird, speichert man dieses als PDF-Datei ab. Dieses Dateiformat bettet Schriften ein und zeigt sie im Dokument korrekt an, unabhängig davon, ob die jeweilige Schrift auf dem Betriebssystem des Empfängers installiert ist.
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