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10.12.2015 - Fotografie Beim Aufschlagen eines Magazins fesseln uns zuerst die Bilder. Oft entscheiden sie, ob wir die Inhalte lesen – oder eben nicht. Wer Zeitschriften macht, muss also zuerst auf Blickfang gehen.

Wie so oft im Leben zählt bei Magazinen der erste Eindruck. Und den bestimmen entscheidend gute Bilder. Sie fallen sofort auf, wecken Neugierde, provozieren oder sorgen für Inspiration. Wecken Bilder kein Interesse, beginnt kaum ein Leser, sich mit Inhalten zu beschäftigen.
Gute Bebilderung basiert auf Know-how, Erfahrung und handwerklichem Geschick. Am besten ist es, wenn genug Zeit und Geld zur Verfügung steht, um einen Profifotografen zu engagieren, der exakt gebrieft wird, bevor er zum ersten Fototermin aufbricht.

Wir haben für Sie zusammengestellt, welche Faktoren für ­eine gute Bebilderung wichtig sind:

  1. Das Konzept: Schon vor der Produktion eines Magazins muss es eine Vorstellung davon geben, wie das gesamte Produkt aussehen soll. Bei einer Mitarbeiterzeitung ist es beispielsweise wichtig, dass viele Menschen gezeigt werden. Authentische Porträtfotos im gesamten Heft vermitteln den Grundgedanken des Magazins und funktionieren als verbindendes Element. Beim Tätigkeitsbericht eines Bauunternehmens sollten dagegen die Bauwerke die Hauptrolle spielen. Das Fotokonzept muss hier Antwort auf die Frage geben, wie diese spannend inszeniert werden können. Denn Leser interessiert bekannte Architektur vor allem dann, wenn sie aus neuen Perspektiven gezeigt wird.

  2. Das Zusammenspiel Bild – Text: Text und Bild müssen eine Einheit sein. Im Regelfall wandert der Blick beispielsweise vom Aufmacherbild zur Headline und wieder zurück zum Bild. Stimmt die Beziehung der beiden zueinander, bekommt der Leser Lust auf mehr. Ähnlich ist es bei Bild­unterschriften: Das Leserinteresse wird zuerst durch das Bild geweckt. Die Information im Text darunter sollte einen Bezug zwischen Bild und Haupttext herstellen, der den Leser animiert, den gesamten Artikel zu lesen. Gute Bildtexte erklären, was zu sehen ist, und ordnen das Gesehene bezogen auf das ­Thema des Artikels ein.

  3. Die Fotoanordnung im Heftverlauf: Sie ist Teil des Konzepts, muss aber bei jeder Ausgabe neu bedacht werden. Abwechslung zwischen großen und kleinen Bildern, zwischen text- und fotolastigen Seiten bindet die Aufmerksamkeit der Leser. Außerdem können durch geschickten Einsatz einiger weniger hochwertiger Bilder schlechtere Fotos aufgewertet werden.

  4. Der Bildschnitt: Manche Bilder wirken in ihrer Gesamtheit unattraktiv. Erst ein geschickt gewählter Ausschnitt setzt spannende Teile des Motivs in Szene. Oft sind beispielsweise die Hintergründe uninteressant und lenken den Blick vom Wesentlichen ab. Hier hilft es zu überlegen, worauf ein Akzent gesetzt werden soll, und den Ausschnitt genau auf diese Stelle hin zu fokussieren.

  5. Die Authentizität: Bilder, die ein Thema symbolisieren – vom Windrad für Energiethemen bis zur glücklichen Familie für Versicherungen –, sind heute leichter und billiger denn je zu erhalten. Sie sollten aber immer nur zweite Wahl sein. „Echte“ Menschen und vor Ort abgelichtete Situationen erhalten ein Vielfaches der Leseraufmerksamkeit.

  6. Die Koordination: Alle Beteiligten müssen das Fotokonzept kennen. Mehrere Fotografen sollten abgestimmt werden, um zu vermeiden, dass alle fotografierten Menschen innerhalb einer Story in zu ähnlichen – oder auch zu unterschiedlichen – Posen abgebildet sind.

Der „menschliche Faktor“
Viel hängt von der Leistung des Grafikers ab. Die Gestalter kennen etliche Tricks, um schlechte Bilder aufzuwerten oder auch einmal ganz ohne Bild auszukommen. Sie haben oft einen eigenen Fundus an kostengünstigen Symbolbildern angesammelt. Sie „basteln“ aus Buchstaben Illustrationen oder „heben“ schlechte Bilder, indem sie den „Schnappschuss-Charakter“ (Unschärfe, unvorteilhafte Posen …) durch Rahmen und Hintergünde sogar noch betonen und ihn dadurch gewollt erscheinen lassen. Sie retuschieren, färben, bringen Hintergründe zum Verschwinden oder bauen neue ein. Kurz: Sie sind „Zauberer“, die oft retten, wo eigentlich nichts zu retten ist. Nur Wunder bewirken – und dazu gehört die Illustration eines Magazins ganz ohne gutes Fotomaterial – können auch sie nicht.

Ein Bild sagt mehr …
Auch redaktionelle Inhalte können zum Bild werden. Infografiken sind gefragt. Sie geben gleichzeitig Aussagen auf leicht erfassbare Weise wieder, verdeutlichen komplexe Zusammenhänge und sind – vorausgesetzt, ein guter Grafiker ist am Werk – selbst Bebilderung. Aufträge für besondere Darstellungen werden am besten an einen Illustrator ausgelagert. So erreicht man optisch besonders originelle Ergebnisse.

Immer wieder schwierig
Manche nicht ganz einfache Fotos kommen in praktisch jeder Zeitschrift vor. Dazu gehören Gruppen- und Portätfotos. Wir kennen alle Bilder von hölzern wirkenden Menschengruppen. Und Porträts, die jeder Fahndungskartei Ehre machen würden, sind leider eher Norm als Ausnahme. Menschen zu fotografieren ist eine Kunst.
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